Kunsthalle Winterthur

14. Juli – 8. September 2019
Rachel Maclean

Kunsthalle Winterthur
Marktgasse 25
8400 Winterthur

14. Juli – 8. September 2019
Rachel Maclean
MAKE ME UP

Vernissage: Samstag, 13. Juli 2019, 17:00 bis 20:00 Uhr

Make Me Up (2018) spielt in einer nicht genauer spezifizierten Zeit, in einem disneyartig dekorierten Gebäude. Dort herrscht mittels subkutaner Fernbedienung Figurehead, ein Transgenderwesen in pink, lila und blau über ein Ensemble von elf Mädchen, die seiner Meinung nach die Vervollkommnung einer jahrtausendelangen Idealisierung des weiblichen Körpers darstellen, ermöglicht durch Mechanisierung und Digitalisierung.
Siri ist das neuste Mädchen in der Runde und kam – wie alle anderen – ursprünglich hierher um sich mithilfe plastischer Chirurgie verschönern zu lassen; um sich wohler zu fühlen, zufriedener mit sich selbst zu sein und auf Social Media mehr Likes zu erhalten. Doch es fällt ihr nicht leicht, sich an den neuen Tagesablauf zu gewöhnen: Dieser besteht nämlich aus einem Dauerwettbewerb in Manier einer Spielshow sowie einer Mahlzeit, bei der lediglich die Erstplatzierte ein paar Wurstscheiben erhält. Mithilfe eines Tricks kann sich Siri eines Nachts aus ihrem Zimmer befreien und entdeckt in den Behandlungsräumen im Untergeschoss, dass die begehrten Wurstscheiben aus Operationsabfällen, also den Mädchen selber bestehen.
Als Siri den anderen Mädchen ihre Entdeckung mitteilt, kommt es zur Konfrontation mit Figurehead. Siri vermag dessen Arm mit der Kontrolleinheit abzutrennen und gemeinsam mit Alexa gelingt es ihr ganz am Ende, die umfangreiche Überwachungsmaschinerie lahmzulegen.
Inhaltlich schliesst Make Me Up nahtlos an frühere Arbeiten von Rachel Maclean (*1986, lebt und arbeitet in Glasgow) an und dreht sich um zeitgenössische Glücks- und Werbeversprechen, welche die Protagonisten beim Versuch, sie einzulösen, ins Unglück stürzen. Auch formal setzt der Film das bisherige Schaffen fort, so ist das Setting ein Mix aus selbstgebastelten Bauten und computeranimierten Räumen, alles zusammen schrill, überzeichnet, grotesk. Zum ersten Mal spielt die Künstlerin allerdings nicht selber sämtliche Rollen des Films selber, sondern arbeitete mit professionellen Schauspielerinnen. Make Me Up wurde in Spielfilmlänge von 86 Minuten in ausgewählten Kinos in England gezeigt, in der Kunsthalle Winterthur ist die gut 45-minütige Galerienversion mit deutschen Untertiteln als installative Inszenierung zu sehen.

Oliver Kielmayer