Kunstmuseum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten

Privatbesitz Lueg ins Land, um 1870 Dame in violettem Kleid, 1869

29.2. – 4.9.2020
Carl Spitzweg
Bürgerwelten

Kunstmuseum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten
Stadthausstrasse 6, 8400 Winterthur

29. Februar bis 4. September 2020
Carl Spitzweg

29. Februar 2020 bis 31. Januar 2021
Bürgerwelten
Porträtminiaturen des Biedermeier

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Carl Spitzweg

Der arme Poet gehört zu den bedeutendsten Ikonen der deutschen Malerei und ist nun erstmals in Winterthur in einer grossen Überblicksschau zu Carl Spitzweg zu sehen. Zusammen mit Der Bücherwurm, Der Kaktusfreund und weiteren Meisterwerken bildet er den Höhepunkt der ersten Ausstellung zum Meister des Biedermeier in der Schweiz seit beinahe 20 Jahren.
Carl Spitzweg (1808 – 1885) zählt zu den erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Malern seiner Zeit. Doch die Beschaulichkeit seiner Bildwelten trügt, denn Spitzweg war ein genauer und kritischer Beobachter. Mit Humor und Ironie beschrieb er den biedermeierlichen Zeitgeist und entlarvte die Gesellschaft mit ihren bisweilen verschrobenen Auswüchsen, etwa in kauzigen Figuren wie Der Bücherwurm oder Der Kaktusfreund. Auch wenn er einen Wachsoldaten malte, der sein Strickzeug auf die Seite gelegt hat, um in die Ferne zu blicken – um dann doch nichts zu entdecken –, so liegt diesem witzigen Sujet eine durchaus politische Komponente inne: Der Maler macht sich lustig über die unnötigen militärischen Auswüchse im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Unter Umgehung der Zensur und scheinbar harmlos legte Spitzweg politische Missstände offen. Und in dieser Lesart erweist sich auch Der arme Poet nicht einfach als romantische Dichterverklärung, sondern als schonungslose Zurschaustellung der Armut des Künstlers, stellvertretend für die Beengtheit der Kunst im Allgemeinen.
Die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur vereint zahlreiche Schlüsselwerke des Münchner Meisters. Ikonische Gemälde wie Der arme Poet und zwei Fassungen von Der Bücherwurm werden durch Werke aus Privatbesitz ergänzt, die zum Teil noch nie öffentlich gezeigt wurden. Sein umfangreiches Œuvre spiegelt sich in den unterschiedlichen Werkgruppen – Figurenbilder, Landschaftsgemälde, Studien und Skizzen. Dank gewichtigen Leihgaben aus den bedeutendsten Sammlungen Deutschlands entsteht so ein umfassendes und gültiges Bild von Carl Spitzweg, der nun in seiner gesamten Breite und Tiefe erfahrbar wird.
Das Kunst Museum Winterthur besitzt mit der Sammlung der Stiftung Oskar Reinhart erstrangige Bestände an Deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts, darunter auch eine dichte Werkgruppe des Biedermeier. Sie bildet die Grundlage für die Ausstellung zu Carl Spitzweg, dem herausragenden Vertreter dieser Epoche. In Zusammenarbeit mit dem Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, das die bedeutendste Spitzwegsammlung weltweit besitzt, entstand die Winterthurer Ausstellung, welche die erste grosse Überblickschau zum Münchner Meister in der Schweiz seit rund 20 Jahren darstellt.

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29. Februar 2020 bis 31. Januar 2021
Bürgerwelten
Porträtminiaturen des Biedermeier

Nach der Niederlage Napoleon Bonapartes (1769 – 1821) fassten die Vertreter europäischer Mächte 1814 unter dem Vorsitz des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich (1773 – 1859) die nicht ganz einfache Aufgabe, Europa neu zu ordnen. Festgehalten wurden die Vertreter der Sechsten Koalition und der französischen Regierung von Porträtmalern; allen voran vom französischen Hofmaler und Miniaturisten Jean Baptiste Isabey (1767 – 1855). Diese Miniaturen dienten als Statussymbol und Kommunikationsmittel, zu einer Zeit, als noch keine fotografischen Verfahren existierten.
Das Ende des Kongresses läutete die Zeit des Biedermeiers ein. Stark geprägt durch den Fürsten von Metternich begann eine Epoche der politischen Repression und des dagegen Aufbegehrens, die in der bürgerlichen Revolution von 1848 mündete. Die Zeit des Biedermeiers veranlasste die Menschen dazu, sich in den Schutz der bürgerlichen Häuslichkeit zurückzuziehen. Die beschauliche Lebensweise wurde als bewusst gewählt verstanden und verklärt. Sie diente als Gegenstück zur Alltagswelt: Ein idyllischer Rückzugsort, in den man seine Vision von Frieden, Glück und Harmonie übertragen konnte. Die Porträtminiaturen aus jener Zeit zeugen von bürgerlicher Familienidylle und ersetzten den geliebten Menschen während dessen Abwesenheit. Es handelt sich um künstlerisch und technisch anspruchsvolle Miniaturen, um Luxusgüter, die durch die aufkommende Konkurrenz des fotografischen Verfahrens langsam an Bedeutung verloren.
Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl von Porträtminiaturen des Biedermeier aus Österreich, dem Deutschen Bund und der Deutschschweiz aus dem reichen Fundus der Miniaturensammlung des Museums.