Kunstmuseum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten

Un parricide - Ein Muttermörder, 1850 Kind mit Blumenstrauss

Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten

2. März bis 4. August 2019
Daumier – Pettibon

2. März 2019 bis 5. Januar 2020
Rich Kids
Kinderportätminiaturen der Schenkung Briner und Kern

Daumier – Pettibon
Mit Honoré Daumier (1808$–$1879) und Raymond Pettibon (*1957) begegnen sich erstmals zwei der eindringlichsten und kritischsten Zeichner der Kunstgeschichte in einer Ausstellung. In ihrem Schaffen agieren die Kommentatoren mit satirischer Schärfe und geistreichem Witz als Spiegel ihrer Epoche. Politik und Gesellschaft, das Alltägliche und Aktuelle stehen im Zentrum des Schaffens beider Künstler.
Honoré Daumier war Graphiker, Zeichner und Maler und wurde in seiner Zeit vor allem als Karikaturist berühmt. Seine politischen und sozialen Kommentare erreichten in der illustrierten Tagespresse die gesamte Bevölkerung, wodurch er zum wichtigsten Chronisten des 19. Jahrhunderts in Frankreich wurde. Als scharfer Beobachter mit unglaublich zeichnerischem Talent erbrachte der Realist Daumier eine der eindrücklichsten künstlerischen Leistungen der Epoche. In der Ausstellung wird sein Schaffen umfassend präsentiert und neben dem bekannten druckgraphischen Werk auch Malerei und Skulptur gezeigt.
Ein gleichermassen radikales Zeitzeugnis stellt die Arbeit des US-Amerikaners Raymond Pettibon dar. Mit spitzer Feder verhandelt er Themen von Politik, Religion, Sport bis hin zu Literatur und erfasst die Realität – das amerikanische Glücksversprechen und dessen albtraumhafte Verzerrungen – schlaglichtartig auf Papier. Seine Text-Bild-Collagen sind von bissigem Humor und tiefer Skepsis gegenüber dem «American Way of Life», der
Politik und Gesellschaft in den Vereinigten Staaten bestimmt: In seiner Spiegelwelt der scharfen Schwarz-Weiss-Kontraste, der breit gepinselten schemenhaften Figuren lotet Pettibon gnadenlos die Abgründe des Seins aus.
In der Gegenüberstellung Daumiers und Pettibons eröffnen sich überraschende Gemeinsamkeiten: kritisches Denken, präzise Zeichnung, die Kombination von Wort und Schrift sowie formale und inhaltliche Kühnheit. Die Begegnung ihrer eindringlichen Kunst bereichert und ergänzt wechselseitig den Blick auf die Arbeit des anderen und lässt die beiden herausragenden Künstler in einen höchst aktuellen Dialog treten zwischen dem Damals und dem Jetzt.
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Rich Kids
«Rich Kids» würde man sie heute wohl nennen, die Kinder, die Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Porträtminiaturen festgehalten wurden. Statt teurer Autos und vergoldeter Uhren beeindruckten sie elegant gekleidet, mit kirschroten Mündchen, geröteten Wangen und goldblond gelocktem Haar. Die Miniaturbildnisse waren wertvolle Erinnerungsstücke und Präsentationsobjekte von stolzen Müttern und Vätern; oder aber Statussymbole, durch die der soziale Rang kommuniziert wurde,
vergleichbar den heutigen «Rich Kids» auf Instagram.
Eine Auswahl an Miniaturen aus dem reichen Fundus der Schenkungen Briner und Kern stellt diese Kinderporträts nun vor. Es ist spannend zu sehen, wie sich diese Porträts über die Zeit veränderten: So wurden vor 1900 – und entgegen aller aufklärerischen Tendenzen – Kinder nicht in ihrer individuellen Eigenständigkeit gesehen, sondern als ungeformte Wesen, die nach den Vorstellungen der Erwachsenen gestaltet werden mussten.
Die Kindheit in adligen und bürgerlichen Kreisen verlief häufig ohne emotionale,
elterliche Zuwendung. Erzieher und Bedienstete wurden zu Bezugspersonen der Kinder. Standesgemässe Etikette galt als Erziehungsgrundsatz. Die Emanzipation des Bürgertums und die Industrialisierung bewirkten zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine tiefgreifende Veränderung der sozialen und emotionalen Beziehung in der Familie. Die Hausfamilie, zu der neben den Eltern und mehreren Kindern auch die Grosseltern und die Bediensteten gehörten, wurde von der Eltern-Kind-Familie abgelöst. Auch die Bildung der Kinder wurde neu ausgelegt. Im Vordergrund stand nun die Sozialisation des Kindes, die Integration in die Gesellschaft.
In der Ausstellung Rich Kids lässt sich der gesellschaftliche Wandel im Verhältnis Eltern-Kind anhand von erlesenen Miniaturen bildhaft nachvollziehen.