Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus

© 2021, ProLitteris, Zürich © Reto Kaufmann

26.3.–11.9.2022
Gerry Schum
10.9.-13.11.2022
Monica Bonvicini

Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus,
Museumstr. 52, 8400 Winterthur
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26. März – 11. September 2022
Gerry Schum
Fernsehgalerie
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10. September - 13. November 2022
Monica Bonvicini
Hurricanes and Other Catastrophes
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Monica Bonvicini
«Certainly, drawings are different from sculptures. I’m constantly drawing. The drawings are indeed much closer to me.» Das multimediale künstlerische Schaffen von Monica Bonvicini (*1965 in Venedig) ist von gesellschaftlicher Brisanz; es umfasst neben Skulptur und Installation auch Videos, Performance, Fotografie und Zeichnung. Stets hinterfragt die Künstlerin die gesellschaftlichen Verhältnisse – Machtstrukturen, Geschlechterrollen – und übersetzt diese in prägnante Werke in unterschiedlichsten Medien.

Das Kunst Museum Winterthur richtet der Künstlerin die erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz aus. Diese rückt einen zentralen Aspekt ihres Schaffens ins Zentrum: die Zeichnung. Seit Mitte der 1980er Jahre realisiert Bonvicini ein umfangreiches zeichnerisches Œuvre: Skizzen, Entwürfe und Konzepte für skulpturale Werke sowie autonome grossformatige Zeichnungen wie die eindrückliche Serie der Hurricanes and Other Catastrophies. Im Kunst Museum Winterthur werden diese Zeichnungen im Dialog mit bestehenden plastischen Werken und neuen Betonskulpturen zu sehen sein.

Monica Bonvicini studierte in Los Angeles und Berlin, wo sie seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Ihr Schaffen war seit den 1990er Jahren in zahlreichen Einzel‐ und Gruppenausstellungen zu sehen, u.a. an den Biennalen von São Paulo, Istanbul, Berlin und Venedig, wo sie 1999 den Goldenen Löwen erhielt. 2020 wurde ihr der renommierte Oskar‐Kokoschka‐Preis verliehen, der Österreichische Staatspreis für bildende Kunst.
Gemeinsam mit dem Kunsthaus Graz wird das Kunst Museum Winterthur eine umfangreiche Publikation zum Schaffen von Monica Bonvicini realisieren.
Kurator: Konrad Bitterli
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Gerry Schum
Am 15. April 1969, 22.40 Uhr, wurde vom Sender Freies Berlin das Programm Land Art bundesweit ausgestrahlt. Die sogenannte Fernsehgalerie, eine Initiative von Gerry Schum (1938–1973), war eine Pioniertat im Massenmedium Fernsehen, heute ist sie legendär. Schum gelang es damals, den Sender für ein ausserordentliches Kunstprojekt zu gewinnen und acht Filme mit Künstlern wie Richard Long, Walter de Maria und Mike Heizer zu realisieren. Allerdings handelt es sich nicht um dokumentarische Filme über Kunst. Es waren vielmehr von den Künstlern selbst konzipierte Werke, die sie zusammen mit Schum und Ursula Wevers im Medium Film realisierten. In der Aufbruchszeit Ende der 1960er Jahre veränderte sich die Kunst radikal, das Verhältnis von Künstler und Institution wurde in Frage gestellt, neue Vermittlungskanäle wurden gesucht. «Die Fernsehgalerie ist mehr oder minder eine geistige Institution, die nur im Augenblick der Ausstrahlung durch das Fernsehen Wirklichkeit wird. Das ist kein Ort, um greifbare Kunstobjekte zu zeigen, die man kaufen und nach Hause tragen kann. Eine unserer Ideen ist die Kommunikation von Kunst anstelle des Besitzes von Kunstobjekten.» (Gerry Schum)

Die zweite und letzte Fernsehgalerie unter dem Titel Identifications versammelte Werke von zwanzig Kunstschaffenden; sie wurde am 30. November 1970 spätabends in der ARD ausgestrahlt. Anders als erhofft, erhielt die Fernsehgalerie keinen dauerhaften Programmplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Rückblick verblüffen indes seine visionäre Idee und die hohe Qualität der Werke.
Das Kunst Museum Winterthur verfügt dank der Dauerleihgabe aus der Sammlung Agnes und Frits Becht über nahezu den gesamten Bestand von Gerry Schums Videoproduktion. Die Winterthurer Präsentation ist die erste Schweizer Museumsausstellung zu diesem visionären Projekt.
Kuratoren: Lynn Kost und David Schmidhauser