Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus

22.8.2020 – 3.1.2021 Lutz & Guggisberg
21.3.2020 – 4.10.2020 Gerhard Richter
12.9.2020 – 15.11.2020 Bewegte Bilder
12.9. 2020– 15.11.2020 David Claerbout
12.9.2020 – 15.11.2020 Keren Cytter

Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus
Museumstrasse 52, 8400 Winterthur
*
22.8.2020 – 3.1.2021
Lutz & Guggisberg,
Ofen, Geist und Meister
Ofen, Geist und Meister: Der Ausstellungstitel des Künstlerduos Lutz & Guggisberg im Kunst Museum Winterthur vereint scheinbar unvereinbare Welten. Beim Ofen mag man an die gemütliche Ecke in Grossmutters Wohnzimmer denken, Geist hingegen eröffnet geradezu philosophische Dimensionen und Meister, zumindest Meister des Absurden, sind die beiden Künstler ohnehin: Andres Lutz (1968 in Wettingen geboren) und Anders Guggisberg (1966 in Biel geboren) betätigen sich als Künstler geradezu freibeuterisch in unterschiedlichen künstlerischen Feldern: Installation, Malerei, Fotografie, Textarbeiten, Performances oder Videoarbeiten. In ihren raumgreifenden Installationen wie in ihren Kleinplastiken gehen unterschiedlichste gedankliche Welten eigenwillige Verbindungen ein, die traditionelle Kunstbegriffe hinterfragen und einen eigenen bildkünstlerischen Kosmos eröffnen. In den vergangenen Jahren traten sie in zahlreichen Ausstellungen hervor, u.a. 2008 im Aargauer Kunsthaus, in der IKON Gallery, Birmingham und im Museum Folkwang, Essen, oder 2013 im MUDAM, Luxemburg.
Im Kunst Museum Winterthur nisten sich Lutz & Guggisberg in der Sammlung der Moderne ein und schaffen mit ihren Interventionen eine abgründige Parallelausstellung, die den klassischen Kanon der Kunst lustvoll dekonstruiert – mit garantiert erheblichem Lustgewinn.
*
21.3.2020 – 4.10.2020
Gerhard Richter - 100 Selbstbildnisse
Das Selbstbildnis des Künstlers ist eine aussergewöhnliche Porträtgattung, insofern der Autor oder die Autorin – häufig schaffend – sich selbst darstellt. Seit der Renaissance zeugen diese Gemälde von einem neu gewonnenen Selbstbewusstsein des Menschen. Sie repräsentieren die Inszenierung eines erwünschten Selbst, dienen der permanenten Selbstbefragung oder lassen die Vergänglichkeit des Menschen anklingen, die im Selbstporträt aufgehoben scheint. Auch Gerhard Richter (*1932) hat sich verschiedentlich selbst porträtiert, u.a. 1996 in zwei kleinformatigen Gemälden. Dennoch bildet Richters Selbstporträt – im Gegensatz zu seinen zahlreichen Porträts – einen bislang kaum beachteten Aspekt seines reichen malerischen Werks.
*
12.9.2020 – 15.11.2020
Bewegte Bilder - Aus der Schenkung Heinz E. Toggenburger
Das Fernsehen und die digitalen Medien haben unsere Welt grundlegend verändert und prägen unseren Alltag nachhaltig. So erstaunt es kaum, dass sich bildende Künstlerinnen und Künstler den elektronischen Medien zuwandten und begannen, mit ihnen zu experimentieren. Das Video diente u.a. der Dokumentation performativer Aktionen, der Bildschirm wurde gar zur Leinwand, die eine Malerei mit bewegten Bildern ermöglichte.
Dank einer grosszügigen Schenkung von Heinz E. Toggenburger konnte das Kunst Museum Winterthur die Grundlage schaffen für eine Sammlung Neue Medien. Ziel des umfangreichen Sammlungsprojektes war der Aufbau einer repräsentativen Kollektion von Einkanal-Videos. Einen Schwerpunkt bilden exemplarische Werke der herausragenden Videokünstler und -künstlerinnen der 1960er und 1970er Jahre. Zu ihnen zählen u.a. John Baldessari (*1931), Joan Jonas (*1936), Bruce Nauman (*1941), Carolee Schneeman (*1939) und Lawrence Weiner (*1942). Die Nachfolgegeneration ist mit Matt Mullican (*1951) und Bill Viola (*1951) ebenfalls vertreten, wobei beispielsweise bei Mullican ein umfangreiches Konvolut von Skulpturen und Zeichnungen sein Videoschaffen begleitet.
*
12.9. 2020– 15.11.2020
David Claerbout: Laziness of Action
Mit gleichermassen spektakulären wie vielschichtigen Videoarbeiten ist der 1969 in Kortrijk (Belgien) geborene David Claerbout in den vergangenen Jahren hervorgetreten, wie es Einzelausstellungen in Institutionen weltweit, u. a. 2007 im Pariser Centre Pompidou und 2010 in der Pinakothek der Moderne in München, belegen. Ebenso zahlreich sind seine Ausstellungsbeteiligungen, sei es 2001 an der 2. Berlin Biennale oder 2004 an der Taipei Biennial. Claerbouts multimediales Schaffen – gewissermassen zwischen den Medien angesiedelt – zielt auf eine grundlegende Reflexion über die bildnerischen Gattungen. Dabei wird in seinem konzentrierten Werk Zeit zur entscheidenden Dimension der Wahrnehmung. Raffiniert spielt der Künstler mit den Ausformungen des Zeitlichen im Bild, ihren möglichen Dehnungen und Verdichtungen zwischen Moment und Dauer. So zielt der Titel von Highway Wreck (2013) auf den Spektakel des Moments. Zu sehen ist allerdings in einer gemächlichen Bildsequenz das Resultat des Autounfalls: Verkehrsstau, herbeieilende Hilfskräfte, teilnahmslose Zuschauer, Ambulanzen, Feuerwehr… Alles fokussiert auf das Ereignis, von der stillen Bildfolge sanft umkreist. Nur langsam stellen sich Zweifel am Bild bzw. an dessen Realitätsbezug ein: Der Künstler hat die Szene aufgrund einer historischen Fotografie aus den 1940er Jahren im Studio digital rekonstruiert und dabei für die Ausstellung gleichsam verräumlicht. Das Spektakuläre des Moments bricht sich an der Dauer des Vergangenen.
*
12.9.2020 – 15.11.2020
Keren Cytter - Fashions
Keren Cytter erzählt Geschichten – absurde, witzige und meist abgründige. Dabei bedient sich die 1977 in Tel Aviv geborene und heute in New York lebende Künstlerin unterschiedlicher formaler Möglichkeiten des experimentellen Kinos, des Film noir und Direct Cinemas. Sie verbindet diese mit der Trash-Kultur unserer vertrauten Medienrealität und dem kommunikativen Potenzial von Social Media. Mit der nichtlinearen, oft zyklischen Logik ihrer Werke dekonstruiert die Künstlerin klassische Erzählmuster wie herkömmliche Sprachkonventionen und Deutungshoheiten. Dabei kombiniert sie Bilderfolgen mit asynchron verlaufenden Sprachund Tonsequenzen zu eigenwilligen filmischen Collagen und erschafft eine absurde Bildwirklichkeit von existentieller Dringlichkeit. Ihre an billige Amateurvideos erinnernden Montagen aus Erinnerungen, Traumbildern und Einbildungen erzeugen vielschichtige, poetische Kompositionen von meist irritierend-grotesker Qualität.