Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus

25.1.-9.8.2020
Walead Beshty
21.3. – 4.10.2020
Gerhard Richter, 100 Selbstbildnisse

Walead Beshty

Walead Beshty (*1976) befasst sich damit, wie das Kunstsystem die Kunstproduktion beeinflusst und wie die daraus hervorgehenden Werke dieses wiederum zu prägen vermögen. Seiner Arbeit zugrunde liegt das Bewusstsein für die Wechselwirkungen des gesellschaftlichen Kontexts und der sozialen Bedingungen: Materialien, Produktionsverhältnisse, Atelier- und Ausstellungsräume, Transportsysteme, Institutionen und das Umfeld aus Bildung, Kritik, Publikum, Sammelnden, Kunstmarkt etc. Sie bestimmen mit, wie ein Werk entsteht, präsentiert und letztlich wahrgenommen wird.
Beshty begreift das Kunstsystem als Mikrosystem der globalisierten kapitalistischen Gesellschaft, die von Informationsaustausch und den dafür notwendigen Zirkulations- und Distributionsmechanismen gekennzeichnet ist. Kunstwerke sind in diesem Kontext nicht mehr bloss als autonome ästhetische oder formalistische Objekte denkbar, sondern sie werden je nach Situation stellvertretend für das klassische Kunstwerk auch zu dynamischen Objekten, Handelsware, Bedeutungsträgern, Transportgut, Nachrichtenspeicher, Fetisch, Forschungsgegenstand usw. Diese Stellvertreterfunktionen offenbaren sich in den Werken des Künstlers. Den Betrachtenden ihrerseits steht frei, welche Aspekte sie herausgreifen und verfolgen wollen – von der einfachen ästhetischen Kontemplation bis zur komplexen Gesellschaftskritik.

Das Kunst Museum Winterthur zeigt die erste Einzelausstellung von Walead Beshty in einem Museum im deutschsprachigen Raum. Der Fokus der Ausstellung liegt auf dem aktuellen Schaffen, aus dem zahlreiche Werke zum ersten Mal gezeigt werden. Aber auch die Fotogramme, mit denen der Künstler erstmals international auf sich aufmerksam machte, sowie seine bekannten Fed-Ex Arbeiten werden zu sehen sein.

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21. März bis 4. Oktober 2020
Gerhard Richter, 100 Selbstbildnisse

Die Ausstellung in Winterthur ist in Zusammenarbeit mit dem MAMCO in Genf entstanden. Gemeinsam wird im März 2020 eine umfassende Werkmonographie im Verlag Koenig Books London herausgegeben.

Das Selbstbildnis des Künstlers ist eine aussergewöhnliche Porträtgattung, insofern der Autor oder die Autorin – häufig schaffend – sich selbst darstellt. Seit der Renaissance zeugen diese Gemälde von einem neu gewonnenen Selbstbewusstsein des Menschen. Sie repräsentieren die Inszenierung eines erwünschten Selbst, dienen der permanenten Selbstbefragung oder lassen die Vergänglichkeit des Menschen anklingen, die im Selbstporträt aufgehoben scheint. Auch Gerhard Richter (*1932) hat sich verschiedentlich selbst porträtiert, u.a. 1996 in zwei kleinformatigen Gemälden. Dennoch bildet Richters Selbstporträt – im Gegensatz zu seinen zahlreichen Porträts – einen bislang kaum beachteten Aspekt seines reichen malerischen Werks.
1993 erschien im Frankfurter Insel Verlag die erste Ausgabe der Schriften und Interviews Gerhard Richters. Diese wurde von einer Vorzugsausgabe in einer Auflage von einhundert Exemplaren begleitet, wobei je eine Originalzeichnung ins Buch eingebunden war. Zusätzlich entstanden 94 Bleistiftzeichnungen, die als Konvolut zusammenblieben und sich heute in Privatbesitz befinden. Das Kunst Museum Winterthur zeigt in Kooperation mit dem Gerhard Richter Archiv in Dresden diese aussergewöhnliche Zeichnungsserie erstmals.
Während Richters Antlitz sich in den Gemälden von 1996 gleichsam hinter einem Farbschleier verbirgt, umspielt der Zeichnungsstrich den Künstler in beinahe unendlichen Variationen. Dabei löst sich die Profilansicht zusehends in der Bewegung des Zeichenstifts auf, wird die asketische formale Recherche zum freien Tanz der Linien.