Kunstmuseum Winterthur | Beim Stadthaus

Koenraad Dedobbeleer

26.1. – 22.4.2019
Koenraad Dedobbeleer | Reality Check

26. Januar bis – 22. April 2019
Kunstmuseum Winterthur | Beim Stadthaus
Vernissage: 25. Januar 2019, 18.30-20.30 Uhr

KOENRAAD DEDOBBELEER
Plastik

REALITY CHECK
Materialwelten in der Kunst von Jean Tinguely bis Dieter Roth

Koenraad Dedobbeleer
Plastik: Gallery of Material Culture betitelt Koenraad Dedobbeleer seine grosse Einzelausstellung im Kunst Museum Winterthur und bezieht sich im Untertitel explizit auf die uns umgebende Welt der Dinge. Vertraut wirken auch die vom Künstler geschaffenen Objekte, scheinen gleichzeitig stets etwas anderes sein zu wollen. Zugleich sind sie gespickt mit subtilen Andeutungen, ironischen Kommentaren und kunsthistorischen Referenzen. Lustvoll und mit oft nur minimalen Eingriffen verändert Dedobbeleer die Struktur alltäglicher Gegenstände, ihre Dimension, Materialität oder Farbigkeit, und löst sie aus ihrem ursprünglichen funktionalen Zusammenhang, nur um sie im Kontext der Kunst auf ihre visuellen und kulturellen Qualitäten hin zu überprüfen. So spielt der Ausstellungstitel Plastik mit genannter Gattung der Kunst wie mit jenem Werkstoff, aus dem Kunst wie Dinge des alltäglichen Gebrauchs geschaffen werden. Dedobbeleers Titel reflektieren einen eigenwilligen skulpturalen Ansatz, der Mass nimmt an den Traditionen von Skulptur und Design wie an der Alltagskultur.
Das Schaffen des 1975 im belgischen Halle geborenen Künstlers war in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, so u.a. 2016 an der Biennale von Liverpool. 2009 wurde ihm der renommierte Mies van der Rohe-Preis in Krefeld verliehen, verbunden mit einer Einzelausstellung im Museum Haus Esters in Krefeld: Boredom won’t starve as long as I feed it (Langeweile wird nicht verhungern, solange ich sie füttere).
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Reality Check
Materialwelten in der Kunst von Jean Tinguely bis Dieter Roth
Mit «Reality Check» bezeichnet der Urban Dictionary den Moment der Ernüchterung, wenn sprichwörtlich ein Traum platzt, sich die Vorstellung an den nüchternen Realitäten bricht. Der Begriff mag im Zeitalter von Fake News zusätzliche gesellschaftliche Relevanz erlangen, wenn global kommunizierte Nachrichten jeder Grundlage in der Wirklichkeit entbehren, sich die Welt in digitalen Tweets gleichsam verselbstständigt.
Der Reality Check im Kunst Museum Winterthur ignoriert diese Parallelwelt und wendet sich der materiellen Wirklichkeit der Dinge zu. Es muss für das Kunstpublikum zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Schock gewesen sein, als Pablo Picasso und Georges Braque erstmals reale Gegenstände in ihre Gemälde integrierten. Die Realität brach damit unvermittelt in den Bildraum ein – mit weitreichenden Folgen für die Kunst der Moderne bis heute. Die Ausstellung präsentiert exemplarische Positionen, in denen sich die materielle Dinglichkeit in der Kunst manifestiert.
Beim Reality Check im Kunst Museum Winterthur steht der gegenständliche Charakter der Kunst im Zentrum künstlerischer Recherchen, manifestieren sich Formvorstellungen in markanten plastischen Werken, materialisieren sich künstlerische Visionen. Erlesene Einzelwerke treffen auf umfangreiche Werkgruppen von Künstlerinnen und Künstler der 1960er Jahre bis heute: Jean Tinguely, Daniel Spoerri, John Chamberlain, Arman, Mimmo Rotella, Dieter Roth, Imi Knoebel, Isa Genzken, Manfred Pernice und andere.