Kunst beim Schulhaus Neuhegi

Das neue Schulhaus hat nun auch ein neues Kunstwerk. Es ist von Bignia Wehrli, folgt dem Weg ums Gebäude und spielt mit dem Spiegeleffekt sowie mit 24 Blautönen.

Der Landbote vom 5.9.2018:

Bignia Wehrli hat ein Stück Himmel auf Erden geholt, das Himmelblau liegt uns zu Füssen, darf man in den Schule blau machen? Der Assoziationen und Gedanken zum neuen Kunstwerk sind viele, und Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) fügte in seiner Eröffnungsrede noch einen weiteren Gedanken hinzu, einen des amerikanischen Autors und Naturalisten Henry David Thoreau. «Der Himmel ist genauso unter unseren Füssen wie über unserem Kopf», schrieb dieser 1854 in seinem berühmtesten Werk «Walden oder Leben in den Wäldern». Thoreau war ein früher Aussteiger, sein Buch ist vielen Sinnsuchern noch heute ein Leitfaden.
Sternenbergerin in Berlin

Bignia Wehrli selber hat einen anderen Weg eingeschlagen. Die 39-Jährige wuchs in Sternenberg auf, ging in Winterthur zur Schule, studierte Kunst in Dresden und China und lebt heute mehrheitlich in Berlin. Sie hat auch in Winterthur schon mehrfach ausgestellt, ihr Werk für Neuhegi ist ihr erstes im öffentlichen Raum.

Als eine Inspiration für das Werk mit dem Titel «blau gehen» nennt sie den so genannten Cyanometer des Naturwissenschaftlers Horace-Bénédict de Saussure, den sie im Genfer Wissenschaftsmuseum entdeckte und der sie faszinierte. Der Forscher hatte das Gerät 1789 entwickelt, um die Blautöne des Himmels zu messen. Er soll damit sogar den Mont Blanc bestiegen haben, um Messungen zu machen, während sein Sohn im Tal unten gleichzeitig die Blaufärbung bestimmte, erzählte Wehrli bei der Vernissage. Während de Saussure 52 Blaustufen zwischen weiss und schwarz unterschied, beschränkt sich Wehrli auf 24, analog zu den 24 Stunden, während denen sich die Himmelsfarbe ständig verändert.

Aufwändige Konstruktion
Sie hat diese 24 Blautöne mit einem komplizierten Verfahren in mehreren Schritten als Kreise auf runde Spiegel aufgebracht, rundherum bleibt ein Ring, in dem sich der Himmel reflektiert. Ursprünglich hatte sie geplant, diese Spiegelplatten bodeneben zu platzieren, nach Rücksprache mit dem Beurteilungsgremium sind sie nun als oberer Abschluss auf Betonröhren montiert, die etwa 30 Zentimeter aus der Erde ragen (und tiefer drin stecken). Damit werden die Spiegel und das Kunstwerk auch zu Hockern. 24 sind es, angeordnet entlang des Wegs ums Schulhaus: Die hellste Himmelsfarbe liegt im Osten des Gebäudes beim Kindergarten, die dunkelste Richtung Eulachpark.
«Blau gehen» ist gleichzeitig ein poetisches Werk und eines, das eine aufwändige Konstruktion erforderte. Wie sehr es anregt, sich selber darin zu spiegeln, die Himmelsfarbe zu analysieren oder über Himmel und Erde zu sinnieren, zeigte sich an der Vernissage. Die rund 40 geladenen Gäste unterhielten sich rege. Zu ihnen gehörten auch Mitglieder der Jury, die Bignia Wehrlis Werk schon 2015 aus sechs Vorschlägen ausgewählt hatte. Für dessen Ausführung standen 110 000 Franken zur Verfügung.