Das Buch zum Jubiläum der Künstlergruppe Winterthur

1916 - 2016 - Das Buch zum Jubiläum

Jedes Exemplar ist ein Unikat dessen Cover von einer Künstlerin/ einem Künstler der Gruppe gestaltet wurde.
Text/Konzeption Iris Spalinger, 159 S., rund 80 Abb., 2016, Fr. 25.-

Das Buch kann (solange Vorrat) bestellt werden unter
Künstlergruppe Winterthur, Christiane Ghilardi, Postfach 2009, 8401 Winterthur
oder per Mail:
info@kuenstlergruppe.ch

Buchbesprechung von Angelika Maass im Landboten vom 14.06.2016:

Das muss man sich mal vorstellen: 500 Bücher, und keines sieht aus wie das andere. Die spinnen, die Künstler, könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Oder falls doch, hat das keinen Einfluss auf das Resultat. Das Buch zum Jubiläum «1916-2016» der Künstlergruppe Winterthur hat viele Gesichter, was sein Äusseres angeht. Innen, versteht sich, sind alle Exemplare gleich. Ein «Hochrisiko» sei es gewesen, sagte Theo Spinnler, seit 2014 Präsident der Künstlergruppe, an der Buchvernissage für die Mitglieder, und «völlig unkontrollierbar», was dabei herauskommen würde. Was herausgekommen ist, kann sich sehen lassen. Elf Künstlerinnen und Künstler haben es übernommen, die 500 Cover zu gestalten. Die einzige Vorgabe war: Neben Schwarz und Weiss und allen Grautönen ist maximal eine Buntfarbe erlaubt. Das ergibt 500 individuelle Bücher mit einem gemeinsamen Grundklang. Meines, das ich mir nach langem Hin und Her ausgesucht habe, zeigt ein textiles oder tapetenartiges Muster in Schweinfurter Grün, mit Grau und leicht verwischten Tupfen in mattem, gegen Orange tendierendem Ocker (eigentlich zwei Buntfarben – oder?). Vielleicht stammt es von Katharina Henking, nach all der vielen Arbeit wusste es die Künstlerin selbst nicht mehr.

Die Künstlergruppe Winterthur gab es schon, bevor sie sich offiziell konstituierte: als lockere, freie Vereinigung. Aber als dann das Kunstmuseum gebaut wurde und seine Eröffnung zu Beginn des Jahres 1916 immer näher rückte, kamen Befürchtungen auf: Konnte «die lokale Künstlerschaft ihre Arbeiten im Rahmen des Ausstellungsprogramms des Kunstvereins» weiter präsentieren?

Der Berufsgruppe eine Stimme geben

Nicht weil man ästhetisch dieselben Ziele anstrebte, kam es zur Gründung der Gruppe, sondern um der Berufsgruppe von Künstlern, Kunstgewerblern, Zeichenlehrern eine öffentliche Stimme zu geben und sich untereinander auszutauschen. Emil Spühel fragte bei den Kollegen an, elf Monate später, am 5. April 1916, wurde die Künstlergruppe Winterthur Wirklichkeit und Spühel ihr erster Präsident. 30 Personen sollen damals zusammengefunden haben. 18 Namen hat Iris Spalinger, die für Text und Konzeption verantwortlich zeichnet, in der chronologischen Übersicht aufgeführt, darunter solche, die man (zumindest in Winterthur) heute noch kennt: Gustav Gamper, Alfred Kolb, Hans Schoellhorn oder Gustav Weiss, der im Übrigen den Rekord in Sachen Präsidentschaft hält, hatte er das Amt doch von 1925 bis 1949 inne.

Waren es am Anfang 30, zählte die Künstlergruppe 1933 gegen 50 Mitglieder; auch einige Frauen waren inzwischen dabei, Anna Gamper 1927 als erste. Heute ist die Gruppe auf ungefähr 80 angewachsen, die Frauen machen mehr als ein Drittel aus. Im Mitgliederverzeichnis aus 100 Jahren, das aufzubereiten eine Sisyphusarbeit gewesen sein muss, sind gegen 200 Einträge verzeichnet – interessant auch, wer nicht dabei war respektive ist.

Der Zusammenschluss der Gruppe, auch wenn er heute längst nicht mehr auf dieses Ereignis fokussiert ist, hat sich gelohnt: Das Kunstmuseum beziehungsweise der Kunstverein gewährte der Gruppe das Gastrecht für ihre jährliche Verkaufsausstellung, sodass 2016 noch ein weiteres Jubiläum ansteht, nämlich 100 Jahre Dezember-Ausstellung.

Iris Spalinger zeichnet (unter Mitarbeit von Beirätin und Vizepräsidentin Kathrin Bänziger und Präsident Spinnler) die Geschichte der Künstlergruppe in vier Kapiteln nach. Die klug gesetzten Titel bringen es jeweils auf den Punkt: «1970-1990: Junge Kunstschaffende mischen die Szene auf» ist das dritte, «1990-2016: Lokale Vernetzung in einem globalisierten Umfeld» das vierte Kapitel überschrieben. Knapp, präzis, gut lesbar, immer in grössere Kontexte eingebunden, erfährt man das Wichtigste über diese besondere Gruppe, in der mit der Zeit und einige Generationenkonflikte später (1971 war sie auf 28 Mitglieder geschrumpft!) alle Kunstrichtungen ihren Platz finden.

Für alle Kunstströmungen offen

Ganz schön wild ging es manchmal zu und her, 1979 gab es gar in der Galerie ge eine Gegenausstellung zur Dezember-Schau. Heute hat sich die Künstlergruppe längst allen Strömungen geöffnet, stellt eigene Projekte auf die Beine, versteht sich als und ist eine «dynamische, flexible Konfiguration». Auch das spiegelt sich im Jubiläumsbuch, das attraktiv gestaltet ist, mit grauen Textseiten, raffinierten kleinen Einschüben und weissen Seiten für den Bildteil, in dem Gegenwart und jüngere Vergangenheit das Sagen haben.