Kunsthalle Winterthur

13.1.– 24.2.2019
Rana Hamadeh

13. Januar bis 24. Februar 2019
Rana Hamadeh
Can You Pull in an Actor With a Fishhook or Tie Down His Tongue With a Rope?

Mit einer einzelnen Arbeit, die kompromisslos, dramatisch und selbstbewusst den Oberlichtsaal einnimmt, beendet Rana Hamadeh (*1983 in Beirut, lebt und arbeitet in Rotterdam) die Ausstellungsserie von Künstlerinnen, die während des Venusjahres das Programm der Kunsthalle Winterthur bestimmten: Can You Pull in an Actor With a Fishhook or Tie Down his Tongue with a Rope? ist eine 23 Minuten lange Symphonie, die auf der Stimme der Solistin Carolina Daish beruht. Es ist eine kakophonische bis aggressive Komposition, verteilt auf fünf Audiokanäle sowie 3 LED-Paneele, die erstmals und in einem bisher nicht realisierten Massstab in der Schweiz gezeigt wird.
Can You Pull in an Actor With a Fishhook or Tie Down His Tongue With a Rope? ist Teil eines grösseren Werkkomplexes, der unter dem Titel The Alien Encounters Project Kunstwerke, Texte und Konversationen vereint. In immer wieder neuen Kapiteln werden immer wieder andere Aspekte des Fremdseins diskutiert, etwa Ausgrenzung und Unterdrückung, Xenophobie und Gewalt. Ausgangspunkt des Langzeitprojektes ist dabei Sun Ras afrofuturistischer Film Space is the Place von 1974: Angesichts der Diskriminierung in unserer Gesellschaft sieht er für Menschen mit schwarzer Hautfarbe als einzigen Ausweg die Besiedelung eines fremden Planeten.
Innerhalb des The Alien Encounters Project widmet sich Can You Pull in an Actor With a Fishhook or Tie Down His Tongue With a Rope? der Frage, inwiefern Gerechtigkeit mit dem Zugang zu dramaturgischen Mitteln von Repräsentation zu tun hat. Am Beispiel der Aschura stellt Hamadeh die Frage nach dem Bedeutungs- und Interpretationshorizont eines theatralischen Rituals, das regelmässig einen Mord neu bezeugt und so zur ewigen Schuld respektive Anklage wird. Selbstvergewisserung und Wahrung eines wertvollen kulturellen Erbes schliesst dabei die Möglichkeit einer Instrumentalisierung durch politische Machthaber keineswegs aus.