Marcel Gähler

28.11.2018-12.1.2019
Galerie Dittmar, Berlin

bis 12. Januar 2018
Galerie Dittmar
Auguststraße 22
10117 Berlin

Marcel Gähler
Die aufgehobene Zeit

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog:
72 Seiten, 32 Abbildungen und Texte von Kathleen Bühler und Peter Stamm (Schweizer Buchpreisträger 2018)

Marcel Gähler wurde 1969 in Zürich geboren und lebt und arbeitet in Winterthur. Er studierte 1990 bis 1996 an der Hochschule der Künste in Zürich. Studienaufenthalt 2013 an der Cité Internationale des Arts in Paris. Neben Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Basel, Bern, Boston, Brüssel, Genf, London, New York, Paris, Philadelphia, Zürich treten Beteiligungen auf den internationalen Messen in Basel, London, Miami, New York, Paris und Seoul.

Marcel Gähler arbeitet vorrangig im Medium der Zeichnung, der Begriff ist hier im eigentlichen Sinne zu verstehen, die ganze Anlage der Blätter wie alle Valeurs sind dem zeichnerischen Strich anvertraut. Die großformatigen Aquarelle sind ebenfalls in Schwarzweiß angelegt, die Ausdrucksqualität ist die gleiche, ohne dass das Spezifische der jeweiligen Technik verloren ginge. Das innovative Vorgehen bezieht sich auch auf das Verhältnis zur Fotografie und die Art und Weise, wie diese einer bestimmten Welterfahrung und künstlerischen Anverwandlung im Medium der Zeichnung dienstbar gemacht wird.

Das aufwendige Verfahren schließt mehrere Zwischenstufen ein, an deren Ende die Graphitzeichnung steht. Ihr gewinnt der Künstler außerordentliche Möglichkeiten in der Wiedergabe der, selbst schon vermittelten, Realität ab, wobei sich die Detailakribie nicht verselbständigt. Das Kontinuum des dichten Strichgefüges, der Grauwerte und -abstufungen führt zu einer homogenen bildlichen Erscheinung und konstituiert eine eigene Bildrealität. Neben die erzählerische Unmittelbarkeit tritt häufig eine diffuse Atmosphäre, die Gegenstände lösen sich in Licht auf, entmaterialisieren und verrätseln sich. Die Zeichnungen entziehen sich dem direkten Zugriff, sie bewahren bei aller Nähe etwas Schwereloses, Distanziertes, die das Gefühlsmoment und den Erinnerungswert ausbalancieren. Es bleibt ein Geheimnis dieser Arbeiten, dass ihre Intensität dadurch eher gesteigert wird.

„Die monochrome Tonigkeit und die besondere Rahmung als schräg zum Bildträger gestellte Projektionsfläche thematisieren gewissermaßen den Kernpunkt dessen, was Erinnerung charakterisiert: nämlich Flüchtigkeit und Vergänglichkeit. Durch die Verjüngung des Bildfeldes entsteht der Anscheint, dass das Bild sich gleich wieder ablöst und ins Dunkle entschwindet. Aufgrund der dunklen Rahmung wirkt es so, wie wenn hier nur ein lichter Moment aus der Finsternis erstrahlt, der gleich weder von der Dunkelheit verschluckt wird.“ (Kathleen Bühler, Kunstmuseum Bern)